Eine Situation. Drei Stimmen.
Herzlich willkommen zu unserer Hörstation am Tag der offenen Tür 2026 der Bundesregierung! Hören Sie sich die unterschiedlichen Perspektiven und persönlichen Erfahrungen zu einer Elterntrennung an.
Wie fühlt sich Trennung an?
Erleben Sie verschiedene Sichtweisen auf eine Trennung. Hören Sie einer Jugendlichen, einem Elternteil und einer Fachkraft zu und erfahren Sie mehr über ihre Gedanken und was helfen kann. Diese Hörstation schenkt Ihnen neue Einblicke in ein wichtiges Thema.
Erfahrungsaustausch über Trennung
aus Sicht eines Jugendlichen, eines Eltermteils und einer Fachkraft
Hörstation für Jugendliche
Hier können Sie erfahren, wie eine Jugendliche die Trennung ihrer Eltern erlebt hat und was ihr in dieser Zeit geholfen hat.
Inhalte Audio in Textform
Hörstation für Jugendliche
Wie fühlt es sich an, wenn Mama und Papa sich streiten oder nicht mehr miteinander reden?
Wenn Mama und Papa sich streiten, fühlt es sich blöd an und ich bin traurig.
Gibt es Momente, wo du das Gefühl hast, du musst zwischen beiden wählen?
Ja, es gibt Momente, wo ich zwischen Mama und Papa wählen muss. Zum Beispiel sonntags, nachdem ich bei meinem Vater war, muss ich aussuchen, bei wem ich esse. Weil mein Vater würde gerne, dass ich abends noch bei ihm esse und meine Mutter aber auch. Es fühlt sich komisch an, aber ich komme gut damit zurecht.
Was würdest du dir von deinen Eltern am meisten wünschen?
Ich hoffe, dass meine Eltern im Kontakt bleiben und sich immer gut verstehen und nicht streiten.
Gibt es etwas, das dir in dieser Zeit geholfen hat? Eine Person, Ort, etwas, das du tust?
Als meine Eltern sich getrennt haben, hat mir mein Bruder sehr viel geholfen und mich beruhigt. Und ich bin auch sehr oft mit Freunden rausgegangen und hab mich mit ihnen getroffen, weil es mir sehr geholfen hat, mich abzulenken.
Was würdest du anderen Kindern sagen, deren Eltern sich gerade getrennt haben?
Ich würde anderen Kinder empfehlen, viel mit den Eltern darüber zu reden und es nicht bei sich zu behalten. Oder auch mit anderen Familienmitgliedern oder Freunden.
Stark bietet kostenlose, fachlich fundierte Informationen für Paare und Familien in Krisen. Mehr unter stark-familie.info.
Hörstation für Eltern
Hier hören Sie, wie eine Mutter die Situation einer Trennung aus ihrer ganz eigenen Sicht beschreibt.
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Hörstation für Eltern
Wie war die Zeit direkt nach der Trennung für Sie? Was hat Sie am meisten beschäftigt?
Die ersten Wochen waren ehrlich gesagt anstrengend, aber auch befreiend. Mich hat am meisten beschäftigt, wie ich den Kindern das alles erklären soll, ohne dass sie sich schuldig fühlen oder denken, sie müssten sich irgendwie entscheiden. Organisatorisch war auch viel zu klären, wer wo, wer wohnt wo, wie läuft der Alltag jetzt.
Was haben Sie bei Ihrem Kind beobachtet? Was hat sich verändert?
In den ersten Tagen haben meine Kinder schon oft gefragt, wo der Papa jetzt ist, warum er nicht zum Abendessen kommt. Es war schon ein komisches Gefühl, aber nach ein, ja, nach ein, zwei Wochen habe ich gemerkt, die waren insgesamt entspannter, weniger Streit zu Hause, weniger Spannung generell in der Luft. Das haben sie wohl auch gespürt, auch wenn sie es so nicht benennen konnten.
Wie haben Sie mit Ihrem Kind über die Trennung gesprochen? Was war dabei am schwersten?
Ich habe versucht, neutral zu bleiben, aber am schwersten war es, um ehrlich zu sein, den Vater nicht schlecht zu machen, weil ich ja selbst frustriert war über sein Verhalten. Ich wollte nicht, dass die Kinder zwischen uns stehen.
Was hätten Sie sich in der ersten Zeit der Trennung gewünscht von außen und an Unterstützungsangeboten?
Mehr praktische Unterstützung. Einfach mal jemand, der fragt: „Wie geht's dir wirklich?", statt nur nach den Kindern zu fragen. Aber auch Informationen, wie ich mit den Kindern altersgerecht reden kann, hätten mir wahrscheinlich auch geholfen.
Was hat Ihnen oder Ihrer Familie geholfen, einen neuen Alltag zu finden?
Klare Routinen haben uns damals sehr geholfen. Feste Zeiten, feste Rituale, auch wenn der Vater sich nicht daran gehalten hat. Und der Austausch mit anderen, die Ähnliches erlebt haben, das hat mir dann einfach auch noch mal gezeigt, dass es normal ist, dass es dauert, bis sich alles wieder stabil anfühlt.
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Hörstation für Fachkräfte
Hier hören Sie, wie eine Fachkraft die Situation einer Elterntrennung wahrnimmt und aus ihrer Sicht beschreibt.
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Hörstation für Fachkräfte
Wie erleben Sie es, wenn Familien in der Trennungsphase zu Ihnen in die Beratung kommen?
Das erste Bild, das wir oft erleben, dass für uns zwei gegnerische Parteien kommen, die total aus dem Blick verloren haben, dass sie eigentlich einen gemeinsamen Fokus haben, nämlich ihr Kind oder ihre Kinder.
Und dass sie durch die Vorerfahrungen im Lauf der Trennung, durch Rechtsanwälte, Gerichte und so weiter auch gewohnt sind, sich wirklich als gegnerische Parteien wahrzunehmen, zu versuchen, Argumente für ihre Seite zu sammeln, die überzeugen und zu vermitteln, dass ihre Wahrheit, ihre Sicht der Dinge die objektive Wahrheit ist. Und das ist erst mal die größte Herausforderung, den Familien klarzumachen, dass wir keine Anwälte für Elternteil A oder Elternteil B sind, sondern dass wir neutrale Dritte sind, die versuchen, mit den Eltern gemeinsam Verhandlungslösungen zu finden. Und dass wir, wenn wir Partei ergreifen, immer nur Partei fürs Kind ergreifen, aber nicht für einen Elternteil und dass wir auch keine Entscheidungsverantwortung übernehmen.
Wo geraten Sie selbst in Ihrer Arbeit mit Trennungsfamilien an Grenzen?
Gerade in der Arbeit mit Trennungs- und Scheidungsfamilien kommen wir tatsächlich als Berater immer wieder an Grenzen. Fachliche Grenzen sind oft dann gegeben, wenn wir ein großes Machtgefälle zwischen den Eltern haben.
Da ist es einfach oft nicht möglich, dass die Eltern auf Augenhöhe miteinander Lösungen finden. Es ist einfach was, was in der Beratungsstelle dann oft nicht gut funktioniert und wo wir dann Fälle auch einfach zurückgeben müssen an Jugendamt oder Gericht.
Ganz persönlich kommen wir, glaub ich, als Fachkräfte am häufigsten dann an unsere Grenzen, wenn wir merken, dass der elterliche Konflikt so weit eskaliert ist, dass das Hauptziel der Eltern ist, dem anderen Elternteil maximal zu schaden und es keinerlei Rücksicht darauf mehr gibt, was das für das Kind bedeutet oder auch, welchen Schaden man vielleicht auch selber davonträgt.
Was sind aus Ihrer Sicht die ersten Schritte, die wirklich helfen? Für die Eltern und die Kinder?
Aus meiner Sicht sind die wichtigsten Schritte in der Elternarbeit mit getrennten Eltern, dass es einem gelingt, dass Eltern sich emotional in die Perspektive ihres Kindes einfühlen.
Das heißt, wenn einem das gelingt, dass man den Eltern auf einer emotionalen Ebene klar macht, wie sich ihr Kind fühlt und was ihr Kind braucht und sie das wirklich nachempfinden und nachfühlen können.
Dazu gehört natürlich, wie wichtig es für ein Kind ist, beide Elternteile lieben zu dürfen, aber auch, wie wichtig es für ein Kind ist, mit getrennten Eltern eine Sicherheit und Orientierung dazu zu bekommen, wie die Dinge jetzt laufen, wann es wie wo betreut wird und dass ein Kind möglichst keine Entscheidungen übernehmen muss, die eigentlich auf der Elternebene angesiedelt sind. Also das, find ich, ist für in der Elternarbeit der wichtigste Grundstein. In der Arbeit mit den Kindern geht es am meisten darum, den Kindern wirklich zu vermitteln, dass Kinder nie schuld sind.
Denn das ist oft eine große Last für Kinder, dass sie schuld sind, dass die Eltern sich trennen oder dass die Eltern schon wieder streiten. Und das ist der wichtigste Punkt in der Arbeit mit den Kindern, diese Botschaft: Kinder sind nie schuld.
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